Praxis

Zu Beginn Deiner praktischen Ausbildung wirst du erst einmal in wenig befahrenen Gebieten (Industriegebiete, Stadtrand, Lottenweiler) Erfahrung mit dem Fahrzeug sammeln. Du lernst nach und nach das selbständige Handhaben des Fahrzeuges und die Grundfahraufgaben, die auch Bestandteil der praktischen Fahrprüfung sind.

Diese Übungsfahrten sind notwendig, damit Du den Umgang mit dem Fahrzeug erlernst, auch wenn die Anzahl der zu absolvierenden Stunden nicht festgelegt ist. Wie viele Übungsfahrten Du absolvieren solltest, um die praktische Fahrprüfung erfolgreich bestehen zu können, lässt sich pauschal nicht sagen. Während der Übungsphase ermitteln wir mit Dir gemeinsam deine Prüfungsreife, Deine Vorkenntnisse werden dabei natürlich berücksichtigt.

Nachdem die Grundausbildung abgeschlossen ist, folgen die Sonderfahrten. Die Art und die Anzahl der Fahrten sind gesetzlich vorgeschrieben, das heißt, Du musst diese Fahrstunden absolvieren, um zur praktischen Prüfung zugelassen zu werden. Du kannst die praktische Ausbildung bereits während der theoretischen Ausbildung beginnen.

Praktische Prüfung

Nach Bestehen der praktischen Prüfung erhält man seinen Führerschein. Die Prüfung wird auf dem Fahrschulfahrzeug durchgeführt. Prüfer ist ein Mitarbeiter des TÜV. Die Prüfungsfahrten haben eine vorgeschriebene Mindestlänge. Damit man von vorne herein diese Anforderungen an die Fahrt kennt, haben wir diese im Folgenden aufgeführt.

Die praktische Prüfung setzt sich kurz gefasst aus folgenden Teilen zusammen:

Grundfahraufgaben: Auf verkehrsarmen Straßen oder Plätzen durchzuführende Übungen, die dem Nachweis der Fahrzeugbeherrschung bei niedriger Geschwindigkeit dienen. 

Fahrprüfung außerhalb geschlossener Ortschaften und Prüfung auf Autobahnen: Der Prüfer erläutert vor Fahrtantritt, in welcher Weise er seine Anweisungen geben wird. Außerdem gibt er die Fahrstrecke und Fahrtziele an.

Fehler: Nicht alle Fehler führen zum Nichtbestehen der Fahrprüfung. Jede Grundaufgabe darf zweimal wiederholt werden, aber nicht, wenn ein Gegenstand oder eine anderes Fahrzeug angefahren wird, der Bewerber um die Fahrerlaubnis einer Zweiradklasse stürzt, oder der Prüfling andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet.

Zum Abbruch der Prüfungsfahrt führen:

  • Wiederholte Fehler bei den Grundfahraufgaben
  • Gefährdung oder Schädigung anderer Verlehrsteilnehmer
  • Nichtbeachten der Vorfahrt
  • Nichtbeachten von roten Ampeln
  • Fehler, die das Eingreifen des Fahrlehrers erfordern

Bei einer Häufung leichter Fehler, die allein nicht zum Durchfallen führen, gilt die die Prüfung als nicht bestanden. Als da wären:

  • Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot
  • Ungenügender Abstand
  • Falsches Einordnen vor dem Abbiegen
  • Mangelhafte Verkehrsbeobachtung
  • Nicht- oder Falschbenutzung des Fahrtrichtungsanzeigers usw.

Allerdings können gute Leistungen bei der Prüfungsfahrt leichtere Fehler ausgleichen.

Die "ausführlichen" Anforderungen an die Prüfungsfahrt

Bei der Prüfungsfahrt muss der Bewerber nachweisen, dass er fähig ist, selbstständig das Fahrzeug auch in schwierigen Verkehrslagen verkehrsgerecht und sicher zu führen und sich dem Verkehrsfluss anzupassen.

1. Fahrtechnische Vorbereitung

In Einzelfällen kann es zu Kenntnisüberprüfungen über einzelne Funktionen (Warnblinkanlage, Licht, Hupe, ...) des Fahrzeugs kommen.

2. Verhalten beim Anfahren

Vor und beim Anfahren ist insbesondere der rückwärtige Verkehr zu beobachten. Mit Fahrzeugen der Klasse B sollte nach ca. einer Fahrzeuglänge der Wechsel in den 2. Gang vollzogen sein.

3. Gangwechsel

Der Bewerber sollte frühestmöglich den nächst höheren Gang wählen und bei Fahrzeugen der Klasse B bis 50 km/h mindestens die ersten 4 Gänge verwendet haben. Auch der 5. Gang sollte frühestmöglich genutzt werden. Der Bewerber soll zeigen, dass er die richtige Handhabung des Fahrzeuges in Steigungen und Gefällen beherrscht.

4. Beobachtung der Fahrbahn und Beachtung der Verkehrszeichen und -einrichtungen

5. Fahrgeschwindigkeit

Die Geschwindigkeit ist der jeweiligen Verkehrslage anzupassen. Eine übertrieben langsame Fahrweise ist unzulässig. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit darf nicht überschritten werden. Allerdings werden kurzfristige Überschreitungen nicht beanstandet. Beim Beschleunigen sind unnötig hohe Motordrehzahlen zu vermeiden.

6. Abstand halten vom vorausfahrenden Fahrzeug

Der notwendige Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist unbedingt einzuhalten.

7. Überholen

Es muss die Möglichkeit gegeben sein. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Aufschließen zum vorausfahrenden Fahrzeug höchstens bis zum Sicherheitsabstand
  • Beobachten des Verkehrsraums vor dem vorausfahrenden Fahrzeug
  • Beobachten nach rückwärts unter Benutzung der Rückspiegel und gegebenenfalls durch einen Blick in den "Toten Winkel"
  • Betätigung des Blinkers vor dem Ausscheren
  • Ausscheren ohne Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs und ohne Behinderung des Gegenverkehrs
  • Zügiges Überholen mit ausreichend Seitenabstand
  • Betätigung des Blinkers vor dem Wiedereinscheren
  • Einordnen ohne Behinderung des Überholten

8. Verhalten an Kreuzungen und Einmündungen

  • Sorgfältige Beobachtung des Verkehrs
  • Rechtzeitiges Anpassen der Geschwindigkeit
  • Rechtzeitige Bremsbereitschaft
  • Ausreichend große Lücken sollen genutzt werden. Unnötiges Zögern ist zu vermeiden
  • Einfahren in Vorfahrtstraße ohne wesentliche Behinderung
  • Bei vorhersehbarem längeren Halt soll der Motor abgestellt werden

9. Abbiegen und Fahrstreifenwechsel

Beim Abbiegen nach links und beim Wechsel des Fahrstreifens nach links sind Innen- und Außenspiegel zu benutzen. Beim Abbiegen nach rechts und dem Wechsel des Fahrstreifens nach rechts sind der Innenspiegel und der rechte Außenspiegel zu benutzen. Es ist rechtzeitig zu blinken. In besonderen Verkehrssituationen (z.B. Abbiegen bei vorhandenen Radwegen) ist ein Schulterblick erforderlich. Nachfolgender und Querverkehr sind zu beobachten, Ein richtiges und rechtzeitiges Einordnen, auch in Einbahnstraßen, ist erforderlich. Auf langsame Verkehrsteilnehmer (z.B. Radfahrer) ist zu achten. Unnötiges Ausholen in der Fahrstreifen des Gegenverkehrs ist beanstandungswürdig. Außerdem sind unnötige Fahrstreifenwechsel zu vermeiden.

10. Verhalten gegenüber Fußgängern, die die Fahrbahn überqueren

Der Bewerber darf sich Fußgängern auf der Fahrbahn nur mit einer solchen Geschwindigkeit und einem solchen Seitenabstand nähern, dass sie beim Überqueren der Straße das Gefühl der Sicherheit behalten. Richtiges Verhalten an Fußgängerüberwegen ist besonders wichtig.

11. Fahren außerhalb geschlossener Ortschaften

Vorausschauendes Fahren:

  • Beobachten des Verkehrsraums und der Fahrbahnränder
  • Beobachten des nachfolgenden Verkehrs durch die Rückspiegel, im Nahbereich erforderlichenfalls durch Schulterblick
  • Beobachten von einmündenden und kreuzenden Straßen bereits aus größerer Entfernung
  • Rechtzeitiges Reagieren auf entgegenkommende Fahrzeuge, andere Verkehrsteilnehmer, Engstellen, Verkehrszeichen, Fahrbahnmarkierungen, Änderungen der Fahrbahnbeschaffenheit und Hindernisse
  • Richtiges Einschätzen der Geschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmer
  • Wählen einer geeigneten Umkehrmöglichkeit und verkehrsgerechtes Umkehren
  • Deutliches Fahren (z.B. Geschwindigkeit anpassen, Blinken, Einordnen)
  • Richtige Verhalten bei gefährlicher Fahrbahnbeschaffenheit (z.B. Nässe, Laub, Rollsplitt)
  • Fahren nach Wegweisern
  • Vor einem absehbaren Anhalten, z.B. an einer Kreuzung oder vor einer roten Ampel, ohne Gas und ohne Zurückschalten den Schwung nutzen und das Fahrzeug rollen lassen
  • Unnötiges Bremsen und Beschleunigen vermeiden

Richtige Fahrbahnbenutzung:

  • Beachten des Rechtsfahrgebots
  • Einhalten eines ausreichenden Abstands zum Fahrbahnrand
  • Richtiges und spurtreues Fahren innerhalb des Fahrstreifens
  • Ausnutzen von Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen
  • Richtiger Fahrstreifenwechsel

Fahren auch bei höheren Geschwindigkeiten:

  • Fahren mit höherer Geschwindigkeit, soweit dies möglich (z.B. nicht bei Schnee, ...) ist
  • Es ist höchstens mit zulässiger Höchst- bzw. Richtgeschwindigkeit zu fahren
  • nicht ohne triftigen Grund langsam fahren
  • Abstand halten
  • Ausnutzen von Überholmöglichkeiten

12. Fahrtechnischer Abschluß der Fahrt

  • Sicherung des Fahrzeugs gegen Wegrollen (Gang, Handbremse)
  • Abschließen
  • Beobachtung des Verkehrs vor und beim Öffnen der Tür

Du kannst die Prüfung auch auf einem Fahrzeug mit Automatik-Getriebe durchführen, allerdings wird dann die Fahrerlaubnis auf die Führung eines Fahrzeuges mit automatischer Kraftübertragung beschränkt und dies natürlich im Führerschein eingetragen.

Wenn Du die theoretische Prüfung bestanden hast und somit zur praktischen Prüfung zugelassen werden kannst, gelten als Prüfungsdauer in den einzelnen Klassen:

  • Klasse B: 45 Minuten
  • Klasse BE: 45 Minuten